Bedienungsanleitung für Pauschalurlauber

Ich schreibe diesen Beitrag, weil ich mich bei meinen Reisen oft in Grund und Boden schämen muss. Der Grund für die oft unfreiwillige Scham sind Pauschaltouristen, deutsche Mitbürger, die leider immer noch nicht gelernt haben sich in einem fremden Land ordentlich zu benehmen. Deswegen sitze ich hier an meinem Schreibtisch und möchte helfen dieses Leid zu bekämpfen, mit einer einfachen aber gleichzeitig allen bekannten Form des Wissenstransfers, mit einer Bedienungsanleitung.

Ich weiß, die coolen Kids unter uns geben einen **** auf eine Anleitung, aber Hey, am Ende schauen wir doch alle irgendwann mal rein 😉 Und vielleicht wird dieses Schriftstück ja irgendwann mal Standardlektüre im Reisebüro… aber zurück zum Thema!

Die Bedienungsanleitung für den deutschen Pauschalurlauber

Anwendungshinweise: bitte hinterfragen Sie zu den aufgeführten Kapiteln Ihre bisherige Vorgehensweise. Nach dem Reflektieren des gelesenen werden Sie im nächsten Schritt Situationen in Ihrem Urlaub überdenken und mit ein wenig Glück ein besser Tourist, viel Erfolg dabei.

Sprache / Landessprache

Ausgangssituation: Der deutsche Pauschaltourist folgt seinen Mustern, auch bei der Sprache. Egal ob am Ballermann, in Österreich (Sorry 😉 oder im fernen Asien. Es wird pauschal(touristisch) Deutsch gesprochen, ganz egal ob der Angesprochene der deutschen Sprache mächtig ist. Es wird einfach vorausgesetzt und nicht mal im Ansatz versucht die Landessprache anzunehmen geschweige denn auf Englisch auszuweichen.

Lösungsansatz:

  • In jedem Marco Polo Reiseführer, der zur Standardlektüre zu gehören scheint, befindet sich ein Sprachführer, mit dem Sie zumindest die Grundlagen der Landessprache lernen können. Versuchen Sie es mal, sie werden sich wundern um wie viel offener und freundlicher man sie behandeln wird.
  • Für den ambitionierten Touristen bieten Volkshochschulen Sprachkurse an, mit denen man die Grundlagen erlernen kann.

Versuchen Sie es wenigstens, damit Sie Ihren Mitreisenden die unangenehmen Momente des Fremdschämens ersparen.

Vergleiche mit dem bisher Erlebten

Ausgangssituation: Nach dem sich die Reisegruppe kennengelernt hat werden erst mal die Reise(Erfahrungen) abgesteckt um im nächsten Schritt auszuholen, wo es überall auf der Welt schon besser war als gerade hier, jetzt. WTF? Der normale Tourist möchte seinen Urlaub im hie rund jetzt genießen und nicht wissen welche Safari in Afrika so toll war, oder warum in dem einen Ort in Thailand irgendwas ganz besonders viel besser war als der an dem wir uns gerade befinden.

Lösungsansatz: Nicht jeder Tourist hat Ihre Expertise, nicht jeder hat die Kohle für 3 mal Urlaub im Jahr und vor allem jeder erlebt seinen Urlaub mit seinen eigenen Augen und ist sehr wohl in der Laage herauszufinden wie es Ihm hier gefällt ohne vom Geschwätz anderer runter gezogen zu werden.

Trinkgelder

Ausgangssituation: Deutsche Touristen sind so ziemlich die unbeliebtesten Besucher in fernen Ländern. Der Grund dafür ist relativ einfach, sie beschweren sich über alles und sie geben sehr sparsame Trinkgelder. Gerade in Ländern ohne Mindestlohn sind Angestellte oft auf Trinkgelder angewiesen um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Lösungsansatz:

  • Seien Sie bitte nicht so knauserig, 10% TIP für den Kellner, 1€ pro Tag für den Reiseleiter und das Zimmermädchen oder eine kleine Aufmerksamkeit für den Busfahrer tun nicht weh und sollten im Budget für die Reise mit einkalkuliert werden.
  • Beim umrechnen in Euro scheinen einige Pauschaltouristen Probleme mit großen Zahlen zuhaben. Zum Beispiel sind 20.000 VND (Vietnamesische Dong) nicht mal ein Euro, also keine Angst vor großen Scheinen!

So erleben Sie nicht nur einen schönen Urlaub sondern tun den Menschen noch etwas gutes, die Ihr bestes dafür geben Ihnen einen unvergesslichen Aufenthalt zu bescheren.

Verhalten am Buffet

Ausgangssituation: Das kennen wir alle, die Teller werden in bester „jenga mannier“ vollgestapelt, bis auch wirklich nichts mehr drauf passt. Aber das ist nicht mal das schlimmste, immer öfter musste ich beobachten, dass der Pauschaltourist beim Türmchen bauen die simpelsten Benimm regeln offenbar komplett zu Hause gelassen hat. Statt mit dem Besteck werden die Speisen mit der Hand aufgetürmt, vorsichtshalber 2-3 Elemente angetatscht bevor man sich für das vierte Entscheidet, etc.. Den Exkurs zum verhalten an Warteschlangen erspare ich uns allen besser.

Lösungsansatz:

  • Packen Sie das auf den Teller, was sie auch essen können. Der Vorteil am Buffet ist der, dass man erst kleine Mengen probieren kann um dann bei gefallen noch mal erneut zuschlagen kann. Denken Sie mal drüber nach!
  • Nutzen Sie das ausgelegte Besteck um Ihren Teller zu bestücken oder stehen Sie drauf wenn Ihr Essen schon durch mehrere Hände gewandert ist?
  • Eine Warteschlange hat auch Außerhalb der Bundesrepublik einfach Grundregeln, vorne steht wer zuerst da war, reindrängeln kommt nicht gut an und einfach eine neue Schlange zu eröffnen ist auch im Ausland ein „nogo“.

Gott was habe ich misch schon geschämt an Buffets, ich hoffe das diese einfachen Grundregeln langsam Gehör finden.

Verhalten an der Hotelbar

Ausgangssituation: Ein wahre Geschichte, die Strandbar im 5 Sterne Urlaubsresort lädt ein mit Cocktails und zivilen Preisen, aber nein, das ist dem deutschen Pauschaltouristen nichts. Stattdessen wird am Spätkauf vor dem Hotel eine Flasche Wein gekauft und mit zur Strandbar genommen. Getoppt wird das Ganze nur noch, als der Kellner auf einen Korkenzieher angesprochen wurde, ganz schockiert zeigte man sich, als der Kellner die Dreistigkeit besaß auf den Umstand hinzuweisen, dass an der Hotelbar keine mitgebrachten Getränke erlaubt seien.

Lösungsansatz:

  • Wenn Sie Getränke in ein Hotel einführen, trinken Sie diese auf dem Zimmer, das ist ok
  • Wenn Sie eine Hotelbar besuchen ist das mitbringen von Getränken nicht gestattet

Da fehlen einem die Worte.

Verhalten am Pool/Strand

Ausgangssituation: Das Handtuch-Phänomen ist hat sich im Zuge der Globalisierung schon weit verbreitet und ist somit gar kein Aufreger mehr, erfunden habens die deutschen bestimmt trotzdem.

Lösungsansatz:

  • Machen Sie sich mit den landestypischen Gegebenheiten vertraut, nicht überall ist viel Haut willkommen.
  • Gönnen Sie Ihre Nachbarn auch ein wenig Erholgung und Unterhalten Sie bitte nicht jeden mit Ihren erheiternden Geschichten

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